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Let's talk about Safer Sex

Mal ganz ehrlich: Denken Sie am 1. Dezember sofort an den Welt-AIDS-Tag oder zunächst an das Öffnen der ersten Tür Ihres Adventskalenders?

Grundsätzlich dreht sich in der Weihnachtszeit alles um Weihnachten und damit auch um den Adventskalender. Doch die Schokolade ist schnell auf der Zunge zerschmolzen und damit gilt unsere Aufmerksamkeit seit nunmehr 28 Jahren dem Welt-AIDS-Tag.

Seit dem 1. Dezember 1981 ist AIDS (Acquired Immuno Deficiency Syndrom, zu deutsch: Erworbenes Abwehr- oder Immunschwäche-Syndrom) als eigenständige Krankheit anerkannt und kurze Zeit später wurde das auslösende Virus HIV (Human Immunodeficiency Virus, zu deutsch: Humanes Immundefekt-Virus) entdeckt. Weltweit erinnern seit 1988 verschiedene Organisationen an diesem Tag an das Thema AIDS und rufen dazu auf, aktiv im Kampf gegen diese Krankheit zu werden und Solidarität mit Erkrankten zu zeigen und sie nicht zu diskriminieren. In diesem Jahr steht der Welt-AIDS-Tag unter dem Motto: Positiv zusammen leben. Die gemeinschaftliche Kampagne des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) und der Deutschen AIDS-Stiftung thematisiert die unbegründeten Ängste einer HIV-Ansteckung, insbesondere durch den Kontakt mit Infizierten, und fordert somit auch Respekt, Akzeptanz und Toleranz gegenüber den Erkrankten. 

Parallel hierzu sieht, zeigt und trägt man die rote Schleife, die ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken ist. 

Obwohl seit Anfang der 80er Jahre über 39 Millionen Menschen an AIDS gestorben sind, noch immer 35 Millionen mit HIV leben und jährlich ca. 2,1 Millionen Neuerkrankungen dazu kommen, ist Sex ohne Kondom keine Seltenheit. Die große Angst vor ansteckenden Krankheiten verschwindet immer mehr aus unserem Bewusstsein und Safer Sex ist somit leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Für viele beginnt die Angst vor AIDS erst mit dem Test. 

Traurig, aber wahr. Während in den 1950er Jahren die menschliche Sexualität ein Tabuthema war, ist Sex heute allgegenwärtig ist. Man sollte meinen, dass wir bestens informiert und aufgeklärt sind, dennoch spricht die Realität eine andere Sprache. Wenn es um verschiedene Techniken eines Blowjobs oder die Ausübung des Kamasutras geht, brüstet sich die Mehrheit der Teenager von heute mit ihrem Wissen als "Sexperten". Geht es aber um die Folgen ihres Handeln und die Verhütung, entpuppt sich ein gefährliches Halbwissen. So manches Mal konnte ich im Wartezimmer meiner Gynäkologin ein und dasselbe Szenario miterleben und wir reden hier nicht nur über die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft. Vielmehr geht es hierbei um den Schock, "sich etwas eingegangen zu haben“, und die damit verbunden möglichen Folgen. 

Safer Sex?! In erster Linie hält sich hier noch nach wie vor das Klischee, dass Verhütung doch Frauensache ist. Für den Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft gibt es ja die gute alte Anti-Baby-Pille. Und wie war das nochmal mit den STI/STD's (Sexually Transmitted Infections/ Sexually Transmitted Diseases), den sexuell übertragbaren Infektionen und Krankheiten, wie Gonorrhoe (auch bekannt als Tripper), Chlamydien, Genitalherpes, Hepatitis, Feigwarzen, Filzläusen, Krätze, Darmparasiten, Pilzinfektionen und natürlich Syphilis und HIV? "Ach, gegen Hepatitis A und B und HPV kann man sich doch impfen lassen und das meiste ist doch heilbar und behandelbar und ich krieg das nicht, ich bin sauber und ich passe auf" oder "Ich schlafe doch nur mit meinem Partner". So oder so ähnlich sind die häufigsten Reaktionen und Rechtfertigungen von Menschen, die zwar meinen, dass sie Safer Sex praktizieren, es aber dennoch nicht (richtig) tun. 

Tatsächlich steht Safer Sex für Sexualverhalten mit sicherem Hintergrund. Damit ist sowohl die Verhütung einer Schwangerschaft als auch die Verhinderung einer Geschlechtskrankheit und insbesondere von HIV gemeint. Seit den 80ern sollte klar sein, dass Sex nur sicher ist, wenn man monogam ist und sich testen lässt, bevor man eine neue intime Beziehung mit dem neuen Lebenspartner eingeht, oder man ganz simpel ein Kondom benutzt. Ohne Kondom besteht immer ein erhöhtes Infektionsrisiko, da beim Sex auch immer kleine Verletzungen entstehen können und der Austausch von möglicherweise ansteckenden Körperflüssigkeiten, wie Sperma, Vaginalsekret, Darmsekret, Blut und Menstruationsblut, zu vermeiden ist. 

Manch einer wird über meine Aussage: "Verführung macht nur dann Spaß, wenn man(n) etwas Passendes anhat" schmunzeln, aber letztendlich gibt es neben der passenden Kleidung oder Dessous für die Frau auch das passende Accessoire für den Mann. Dies gilt natürlich auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen insbesondere der Mann noch sagen konnte: "Sorry, geht nicht, ich bin allergisch gegen Latex" oder "Zu viel drum rum, da spüre ich nichts. Ohne ist es doch schöner und intensiver". Mittlerweile gibt es Kondome in allen möglichen Variationen. Mit und ohne Geschmack, in kleinen und großen Größen, mit und ohne Noppen, frei von Latex, mit extra viel Gleitgel, gefühlsintensiv oder gefühlsecht oder neuerdings auch in der Version "Natural Feeling", das Frauenkondom, das Fingerkondom und das Lecktuch, Dental Dam. 

Selbstverständlich gibt es nichts Schöneres, als nur die pure nackte Haut seines Partners zu spüren ohne eine Barriere, aber dies funktioniert nur, wenn beide Partner getestet wurden, nicht infiziert und auch wirklich treu sind. Wer in dieser Beziehung dann trotzdem seinen Spaß außerhalb sucht oder auch nur "aus Versehen" fremdgegangen ist, sollte es seinem Partner umgehend beichten. Viele scheuen die Offenbarung des Vertrauensbruchs, doch am Ende kommt es trotzdem irgendwann raus und dann kann es erst richtig unschön werden. Außerdem man darf nie vergessen, Sex basiert auf Vertrauen und Vertrauen sollte nicht missbraucht werden. Geschlechtsverkehr haben bedeutet auch, Verantwortung für sich und andere zu tragen. Hat man Bockmist gebaut, muss man dazu stehen. Es klingt nach Utopie, aber so sollte es normalerweise laufen. 

Sicherlich war das Massensterben der 1980er Jahre dominanter in den Köpfen der Jugendlichen der 90er oder 2000er Jahre, als der heutigen Generation. Trotzdem kennt jeder die Plakate der Kampagnen zur HIV-Prävention von "mach's mit" und "gib AIDS keine Chance", die seit 1993 auf die Gefahren einer HIV-Infektion aufmerksam machen und zum Schutz mit Kondomen motivieren. Safer Sex sollte demnach heute eigentlich kein Fremdwort und unbekanntes Territorium sein, aber scheinbar bleibt der sichere Geschlechtsverkehr häufig auf der Strecke, denn auch jenseits der Teenager ist Casual Sex ein Lifestyle-Trend, der Menschen mit gleichen erotischen und sexuellen Vorlieben unverbindlich zusammenbringt. Generell wird Sex allgemein viel lockerer gehandhabt und One-Night-Stands, Friends with Benefits, Swingern, Seitensprünge oder die altbekannte Affäre sind keine Seltenheit mehr und wahre Monogamie wird zur Rarität und Exklusivität.  

Nichtsdestotrotz, gehört in einer Zeit wie dieser, in der man offen mit seiner Sexualität umgeht und die intimsten Details mit der Öffentlichkeit teilt, der ungeschützte Seitensprung oder One-Night-Stand scheinbar zu den letzten Tabus, denn schließlich gibt niemand gerne zu, sich und seine liebsten Mitmenschen zu gefährden. Immerhin ist man ja ein guter Mensch, man ist sozial und aufgeschlossen und sorgt sich um andere, da würde man doch nie etwas tun, was diese Bild zerstören könnte. 

Offiziell verhütet natürlich jeder und niemand nascht aus Nachbars Garten, doch hakt man ein bisschen nach, kommt die Wahrheit ans Licht, dass die Lust häufig stärker ist, als die Angst. Tendenziell neigt man dazu, seinem Gegenüber blind zu vertrauen, denn wenn dieser nicht gesund wäre, würde man das doch auf jeden Fall ansprechen oder erst gar nicht so weit gehen. Oder etwa nicht? Diese Frage stellt man sich dann leider viel zu spät. Das böse Erwachen erfolgt und hinzu kommt, dass sich nicht jede Geschlechtskrankheit sofort bemerkbar macht. Unfruchtbarkeit ist dabei schon ein schlechtes Los, aber bei Krebs oder HIV ist das Geschrei dann groß.

Umso ironischer ist es doch, dass man zwar leichtfertig mit dem Feuer spielt, aber im Falle eines Falles dann viele den Kontakt mit HIV-Erkrankten meiden, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Verrückte Welt. 

Dabei sollte man wissen, dass man keine Angst vor dem Umgang mit HIV- Infizierten haben muss, denn ob im Privat- oder Berufsleben, das Küssen, Kuscheln, Umarmen, Händereichen oder Ähnliches ist völlig unbedenklich. 

In Deutschland leben ca. 80.000 Menschen mit HIV und dank modernster Medikamente können viele von Ihnen ein völlig normales Leben mit einer fast normalen Lebenserwartung leben wie jeder andere auch. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man die Erkrankung frühzeitig erkennt. Doch weil immer noch HIV-positive Menschen von anderen Menschen ausgegrenzt und abgewiesen werden, man über sie tratscht oder sie angegriffen und beleidigt werden, trauen sich wiederum viele nicht, sich zu outen, oder mache erst gar nicht den Test. 

Allein deshalb sollte man sich die Kernaussage des diesjährigen Mottos nochmal zu Gemüte führen, denn positiv zusammen leben funktioniert nur, wenn wir aufeinander zugehen, uns gegenseitig zuhören und verstehen. Schluss mit Vorurteilen, Angst und der Unsicherheit. 

Wer soviel Angst vor Ansteckungen hat und radikal auf Nummer absolut sicher gehen will, dem bleibt nur die Abstinenz. Aber Hand auf's Herz: Wer möchte heute auf die schönste Nebensache der Welt verzichten? Safer Sex ist guter Sex und auch mit Kondom kann es wild und hemmungslos zur Sache gehen...

Weitere Informationen über Safer Sex, HIV und AIDS finden Sie hier:

www.machsmit.de

www.gib-aids-keine-chance.de

www.welt-aids-tag.de

www.aidshilfe.de

www.aids-stiftung.de

Kommentare   

+238 #19 Bert Kasten 2016-05-24 13:14
Conny du bist eine tolle Frau und ich fand die Texte hier echt krass. So Ehrlich geschieben. Wenn du ein Buch schreibst bin ich der erste der es kauf. Mach weiter
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+309 #18 Sven 2015-12-05 22:28
Machst mit, und gib Aids keine Chance

Beim Sex Kondom ja ne ist ja klar

Beim "Blowjob" :-* äää ok macht Sinn (für irgendwas muss der Geschmack ja da sein ;-)


Nur was macht man(n) beim "Lecken"? :P

:sigh:

Tja nun kommt ihr...

LG Sven

PS super Schriftstelleri n
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+480 #17 Peter Schmidt 2015-12-05 20:47
zitiere Carsten:
Schönes Soziales Engagement :-)

zitiere Miriam und Fabian:
Also das Foto und der Spruch sind schon ein Hingucker und spricht Frauen und Männer an :eek: :-* aber dein Text hier :o Hammer!

zitiere Kevin:
cool bist du dann auch auf den plakten :-)


Eine schönere und bessere Botschafterin kann es nicht geben!
Liebe Grüsse Peter
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+485 #16 Miriam und Fabian 2015-12-04 18:56
Also das Foto und der Spruch sind schon ein Hingucker und spricht Frauen und Männer an :eek: :-* aber dein Text hier :o Hammer!
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+486 #15 Vanessa Huth 2015-12-04 18:55
Danke für deine ehrlichen Worte. Es ist gut sich und andere zu schützen. Super Text von einer sympathischen jungen Frau.
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+492 #14 conny 2015-12-03 22:03
Ein Gruß von Conny an Conny.

Schade das so ein wichtiges Thema im Zeitgeschehen der Flüchtlinge untergeht.

Mach weiter so. Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir.

L.G. Conny
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+489 #13 bruno turner 2015-12-03 21:43
so ist es richtig :-)

mutig conny das du dazu etwas schreibst

wir alles sind doch verhalten wenn es um so etwas geht

kompliment
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+495 #12 Stefan 2015-12-03 19:25
Schöne Verführung und Aufklärung in Bild und Text :-)
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+494 #11 kathrin lenz 2015-12-03 12:38
super wie du dich da für einsetzt
tolles Vorbild für unsere Jugend :-)
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+497 #10 Andi 2015-12-03 12:29
So verführerisch kann Safer Sex also sein.
Bei dem Foto und Statement wirste wahrscheinlich schon wieder bei Facebook mit Nachrichten überschüttet deshalb auch hier nochmal ;-) LG Andi
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